Aurelia Meinhart
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Die Wand

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Die Wand

Aurelia Mein­hart nimmt Marlene Haus­ho­fers Roman “Die Wand” als Aus­gangs­punkt für ihre Arbeit. Beim ersten Besuch eines ehe­ma­li­gen Zie­gel­wer­kes, ent­stand in der Künst­le­rin zwi­schen den kahlen Fabriks­mau­ern ein beklem­men­des Gefühl, das sie mit dem klaus­tro­pho­bi­schen Alp­traum von Marlene Haus­ho­fers Roman­hel­din in Ver­bin­dung brachte. Haus­ho­fers “Wand” ist eine nicht fass­ba­re, aber dennoch unüber­wind­ba­re Grenze, sie ver­kör­pert die unsicht­ba­ren Mauern eines men­ta­len Gefäng­nis­ses, in dem die Prot­ago­nis­tin ihr Dasein fristet. Dieser Ein­druck des geis­ti­gen Ein­ge­engt-Seins ist der Aus­gangs­punkt Aurelia Mein­harts Arbeit. Sie will diese “Wand”, dieses Ein­ge­perrt-Sein spren­gen, aus der Enge ausbrechen.

Aurelia Mein­harts Arbeit erstreckt sich aus der Zie­gel­fa­brik hinaus ins Freie, womit die Künst­le­rin einen Weg durch ver­schie­de­ne Bewusst­seins­ebe­nen dar­stellt. Anfangs betritt man durch eine Licht­wand eine sterile Welt, zube­to­niert, mit Kunst­ra­sen aus­ge­legt und durch eine trans­pa­ren­te Plas­tik­wand begrenzt. Die Wand reflek­tiert das blaue Licht und alles, was sich in diesem Raum befin­det. Man sieht durch diese Wand, aber alles, was außer­halb ist, wirkt erstarrt und ver­zerrt. Dennoch ist es ein Aus­blick in eine offene freie Welt. Für Aurelia Mein­hart war es von Anfang an wichtig, dass sich ihre Arbeit in der freien Natur fort­setzt. Sie wollte damit die Über­wind­bar­keit von starren Sys­te­men darstellen.

Der Raum, den die Künst­le­rin für ihre Arbeit aus­wähl­te, ist ein Not­aus­gang, der sich im mitt­le­ren Teil der Zie­gel­fa­brik befin­det. Drei Seiten des Raumes bilden dicke Mauern, mit der vierten Seite öffnet er sich in die Natur. Dieser Raum, schon von Gras und Moos über­wu­chert, musst gerei­nigt werden, um die für das Arbeits­the­ma nötige Stim­mung zu erzeu­gen. Ein großer trans­pa­ren­ter Plas­tik­vor­hang bildet nun die vierte Wand und schließt so den Raum ab. Der künst­li­che Rasen und blaues Neon­licht lassen mitten in einer ver­las­se­nen Zie­gel­fa­brik eine neue Welt ent­ste­hen. Doch erst hinter der trans­pa­ren­ten Plas­tik­wand öffnet sich das eigent­li­che Para­dies für Aurelia Mein­hart. Die Natur als Frei­raum, als Raum ohne Grenzen. Denn die Natur ist für die Künst­le­rin der Zufluchts­ort einer von All­tags­pflich­ten über­la­de­nen Welt.

Text: Roza­li­ja Linke

 

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The Wall

Aurelia Mein­hart takes Marlene Haushofer‘s novel „Die Wand“ (The Wall) as star­ting point of her work. The first visit at a former bri­cky­ard roused an uneasy feeling in the artist between those bare factory walls, which she asso­cia­ted with the claus­tro­pho­bic night­ma­re of Marlene Haushofer‘s novel heroine. Haushofer‘s „Wall“ is a fron­tier that cannot be grasped, yet is insur­moun­ta­ble, it repres­ents the invi­si­ble walls of a mental prison in which the prot­ago­nist ekes out a mise­ra­ble exis­tence. This impres­si­on of a mental­ly restric­ted situa­ti­on is the star­ting point of Aurelia Meinhart‘s work. She wants to break through this „Wall“, this restric­tion, to escape from this narrowness.

Aurelia Meinhart‘s work extends from the bri­cky­ard out to the open, thus pre­sen­ting a way through various levels of con­scious­ness. At the begin­ning you enter through a light wall, a sterile world, con­creted, laid out with astro­turf and restric­ted by a trans­pa­rent plastic wall. The wall reflects the blue light and ever­ything there is in this room. You can look through this wall, but ever­ything that is outside seems para­ly­zed and dis­tor­ted. Nevertheless it is a view into an open, free world. From the begin­ning it was important for Aurelia Mein­hart that her work would con­ti­nue out in the open. With that she wanted to show that rigid systems can be overcome.

The room that the artist chose for her work is an emer­gen­cy exit in the middle part of the bri­cky­ard. Three sides of the room consist of thick walls, the fourth side opens into nature. This room, already over­grown with grass and moss, must be cleaned to produce the mood needed for the topic. A big trans­pa­rent plastic curtain now forms the fourth wall, thus closing the room. The astro­turf and the blue neon light evoke a new world in the middle of a deser­ted bri­cky­ard. But it is only behind the trans­pa­rent plastic wall that the actual para­di­se opens for Aurelia Mein­hart. Nature as per­so­nal freedom, as space without limits. For nature is for the artist a place of refuge in a world over­loa­ded with ever­y­day scores.

Text: Roza­li­ja Linke